Galerie des Stils

 

MEIN STIL10 FRAGEN AN PROMINENTE

L. Fritz Gruber Ehrenpr”sident der Deutschen Gesellschaft f¸r Photographie

 

Handelsblatt: Gibt es f¸r Sie in der Fotografie auch so etwas wie

Stilrichtungen?

Professor L. Fritz Gruber: Aber nat¸rlich! Erfahrene Fotofreunde k–nnen ohne

weiteres einen Irving Penn von einem Sander oder einem Cartier-Bresson

unterscheiden, wie der Bildersammler einen Picasso von einem Braque. Im

Augenblick geht die Stilrichtung in der Fotografie ja wieder zu mehr Reduktion.

Sehr kreativ!

Und wie w¸rden Sie Ihren pers–nlichen Stil beschreiben?

Das ist der von Irving Penn, mit dem ich auch bis heute befreundet bin. Der

hat mich zweimal fotografiert. Er hat einen ganz eigenen Stil, anders als

zum Beispiel Richard Avedon, der mehr auf Eleganz steht.

Welchen Stil bevorzugen Sie bei M”nnern und Frauen?

Den eines englischen Gentleman. Ich habe ja lange in London gelebt. Erst

k¸rzlich war ich wieder da und bin in meinen Lieblingshutladen gegangen. Ich

sammle H¸te seit den 30er-Jahren. Die 25 sch–nsten habe ich dem K–lner

Museum f¸r Angewandte Kunst gegeben.

Leider sind H¸te f¸r M”nner ja etwas aus der Mode gekommen. Das Auto ist

schuld, da braucht man keinen Hut mehr.

Was bedeutet Sch–nheit f¸r Sie?

Harmonie, positive Elemente, die zu einem erfreulichen Gesamtbild

zusammenfinden. Was nicht heiþt, dass nicht auch unharmonische Dinge

interessant sein k–nnen.

Und was empfinden Sie als stillos?

Wenn jemand ¸ber die Straþe geht, und das Hemd h”ngt ¸ber der Hose. Aber das

ist ja jetzt modern. Ich mag gerne elegante Sachen. Das, was Sie anhaben,

ist doch Issey Miyake? Davon verstehe ich was!

Ja, Sie haben Recht. Reisen Sie eigentlich noch viel, welches ist Ihr

liebstes Reiseziel und warum?

Venedig. Seit Jahren feiere ich meinen Geburtstag dort zur Kunst-Biennale.

Mein zweitliebstes Ziel ist London, und dann nat¸rlich auch Paris.

Was darf auf keinen Fall fehlen, wenn Sie auf Reisen gehen?

Ich habe nie mehr eine Kamera dabei! Ich m–chte f¸r die groþen Fotografen

keine Konkurrenz sein. Ich glaube ohnehin, dass sie besser fotografieren

k–nnen als ich. Das habe ich ja auch so gehalten, als ich noch die

kulturellen Fotoschauen der Photokina gestaltet habe. Meine Fotosammlung

habe ich nach und nach ins Museum gegeben. Fr¸her hatte ich immer meine

Leica dabei.

Da brauche ich Sie ja gar nicht mehr zu fragen, auf welches Markenprodukt

Sie nicht mehr verzichten m–chten. Nehmen Sie Ihre Leica denn noch in die

Hand heute?

Ja, manchmal. Ich habe eine ganze Serie von meinen geliebten Leicas. Und ich

fotografiere auch noch, wenn mir pl–tzlich etwas gef”llt, zum Beispiel in

meinem Garten.

Ihr Foto des Jahres 2000, welches Motiv w”re das?

Ein Foto von mir! Ach, das war ein Scherz. Wissen Sie, die Fotografie hat

doch durch die Digitalisierung viel von ihrer Glaubw¸rdigkeit verloren. Bei

den unendlichen Manipulationsm–glichkeiten heutzutage ist sie l”ngst kein

Abbild der Wirklichkeit mehr. Auf der anderen Seite sind die jungen

Fotografen heute doch sehr kreativ. Wie hier in der Ausstellung in der

K–lner Philharmonie die K¸nstler-Portr”ts von Alexander Basta zeigen.

 

Die Fragen stellte Inge Hufschlag

 


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